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"Offene Standards sind entscheidend."
Interview mit dem stellvertretenden Leiter der Informatikdienste
des Schweizerischen Bundesgerichts, Daniel Brunner.

Das Bundesgericht ist ein Spezialfall in der IT-Landschaft der Eidgenossenschaft. Im Alleingang haben die Verantwortlichen eine Unix-orientierte Architektur aufgebaut. Statt auf Microsoft-Produkte zu setzen, wie dies in der Verwaltung üblich ist, geht das höchste Gericht der Schweiz einen anderen Weg. Sogar auf die vom Bund als unverzichtbar und konkurrenzlos eingeschätzten Applikationen der Microsoft Office Suite wird verzichtet. Stattdessen wird StarOffice eingesetzt.

Anlässlich einer Untersuchung über den Einsatz Freier Software in staatlichen Institutionen für Wilhelm Tux stand Daniel Brunner Rede und Antwort. Das Interview führte Michael Jäger.

MJ: Herr Brunner, das Bundesgericht sticht in Sachen Informatik aus der sonst so einheitlichen Microsoft-Landschaft staatlicher Institutionen der Schweiz heraus. Wie kommt das?

Brunner: Auf Grund des Umstandes, dass das BGer nicht an die Weisungen der allgemeinen Bundesverwaltung gebunden ist, konnten wir in Sachen IT auf der grünen Wiese aufbauen. Es ging uns einzig darum, eine möglichst kosteneffiziente und nutzeneffektive Lösung zu finden. Für das Bundesgericht zentrale Applikationen laufen auf Unix oder VMS, sodass wir über unsere Strategie nicht lange nachdenken mussten. Auch wenn sie immer mehr an Wichtigkeit gewinnt, laufen auf der Windows-Plattform nur sogenannte "Nischen"-Applikationen.

MJ: Aber Staroffice auf den Computern der Mitarbeiter? Geht das nicht ein bisschen weit?

Brunner: Nun, erstmal brauchten wir eine Office-Suite, die auf unseren Systemen überhaupt funktioniert. Und das ist in diesem Fall Staroffice auf Sun Solaris. Natürlich haben wir eine Alternative mit Windows und MS Office auch geprüft. Für uns war in dieser Entscheidung unter anderem natürlich auch die Funktionalität massgeblich. Und da kann man sagen, dass in StarOffice alles enthalten ist, was man braucht. Weitere Argumente wie die Zentralisierung (NC's an den Arbeitsplätzen) sowie die Sicherheit (keine Macro-Viren, usw.) waren ebenfalls von zentraler Bedeutung.

MJ: Sie verzichten mit Staroffice aber nicht nur auf MS-Produkte sondern auch auf den Support.

Brunner: Keineswegs. Wir bekommen zu einem Fixpreis pro Jahr Hotline-Support von Sun und sind sehr zufrieden. Jeder unserer System-Administratoren kann anrufen so oft er will, ohne Mehrkosten. Mit dieser Support-Lösung können wir gegenüber der von Microsoft angebotenen nicht nur einen deutlichen Mehrwert für unsere User realisieren, es kostet auch nur einen Bruchteil.

MJ: Meist scheitern solche Alternativlösungen am Widerstand der Mitarbeiter. Wie konnten die User beim Bundesgericht überzeugt werden, dass sie nicht die gewohnten Tools vorgesetzt bekommen?

Brunner: Uns war von vornherein bewusst, dass wir mit diesem Problem umgehen müssen. Daher wurde allen Mitarbeitern vorgängig die geplante Umgebung gezeigt und erklärt, um die Akzeptanz zu überprüfen. Als wir Staroffice präsentiert haben war das Feedback ziemlich eindeutig: Das ist ja wie Word.

MJ: Beim Bund schien man sich Sorgen zu machen, dass Inkompatibilitäten auftreten würden. Haben Sie keine Probleme, wenn Sie mit anderen staatlichen Organen Daten austauschen?

Brunner: Es kommt nicht sehr oft vor, dass wir ein Dokument verschicken müssen und es zur Bearbeitung zurückerhalten. Das Format für das Versenden von Informationen ist bei uns PDF. Wenn es aber dennoch mal sein muss, dass Office-Dokumente hin- und hergeschoben werden, dann ist das mit Staroffice kein Problem. Die Konvertierung funktioniert in beide Richtungen gut und wenn nötig, ist es auch möglich, gemeinsame Vorlagen zu erstellen, die wir für diese Art von Gebrauch benutzen.

MJ: Dann lagern auf Ihren Servern also Tausende von Staroffice-Dokumenten. Was tun Sie, wenn es das Produkt nicht mehr geben sollte? Immerhin ist die Office-Suite nicht das Kerngeschäft von Sun.

Brunner: Diese Frage sollte sich so gar nicht stellen. Wir sind dabei, konsequent offene Standards umzusetzen. Unsere Dateien werden in naher Zukunft im XML-Format gespeichert, damit jeder sie lesen und bearbeiten kann, unabhängig von der dazu verwendeten Software. Wenn es in fünf Jahren kein Staroffice und kein Microsoft Office XP mehr gibt, können unsere Dateien noch immer genutzt werden. Offene Standards sind für verantwortungsvollen Umgang mit IT absolut entscheidend.

MJ: Ich könnte mir vorstellen, dass Sie für Microsoft Schweiz ein Dorn im Auge sind, da der Bund ansonsten konsequent auf MS-Produkte setzt.

Brunner: (lacht) In zwei Wochen kommt Microsoft bei uns vorbei. Ich denke schon, dass sie Interesse an uns haben. Sun nutzt das Bundesgericht natürlich als Referenz.

MJ: Gibt und gab es von Seiten des Bundes denn keinen Druck, in die One-Product-Strategy einzuschwenken?

Brunner: Wir unterliegen nicht direkt den IT-Bestimmungen des Bundes, aber wir befolgen diese wo möglich; offiziell ist da aber nichts zu machen. Natürlich müssen wir uns immer wieder für unseren Entscheid rechtfertigen. Für uns ist einfach klar, dass es keinen Sinn macht, grundsätzlich eine Produktelinie auf einer Plattform einzusetzen. Wenn eine andere Wahl sinnvoll und nutzenstiftend ist, dann darf man sich nicht selbst beschränken.

MJ: Herr Brunner, ich bedanke mich für das Gespräch.

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